Warum noch eine neue Zeitschrift?
Ganz einfach. Weil wir mehr Diskurs, mehr Hinterfragen, ein wenig Disruption und viel mehr Auseinandersetzung brauchen, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden.
Die Welt verändert sich – täglich, tiefgreifend und zum Teil dramatisch. Nicht nur geopolitisch, sondern auch bei uns in Deutschland finden Veränderungen statt, denen wir uns stellen müssen. Akute gesellschaftspolitische, wirtschaftspolitische und sicherheitspolitische Probleme müssen gelöst werden.
In was für einem Land wollen wir künftig leben? Wie soll unsere Gesellschaft aussehen? Wie finanzieren wir unsere Gesellschaftsidee? Was sind die nicht verhandelbaren Grundsätze im Umgang miteinander? Wir müssen versuchen, auf diese Fragen Antworten zu finden. Dies kann uns nur gelingen durch Diskussion, durch Austausch und durch kontroverse Debatten. Wir brauchen eine neue StreitKULTUR. Wir müssen andere Meinungen zulassen und andere Denkansätze respektieren.
Was wir nicht brauchen, ist Empörung und Betroffenheit. Wir brauchen keine Denkverbote und keine Sprachpolizei. Ebenso wenig wie Meldestellen für ungebührliches Verhalten. Wenn, laut Allensbach, nur noch 40 Prozent der Menschen in Deutschland das Gefühl haben, ihre politische Meinung frei äußern zu können, dann haben wir ein Problem. Und zwar ein gewaltiges.
Wie steht es dann um unsere Meinungsfreiheit? Um die Freiheit des Einzelnen und der Gesellschaft? Diese Frage stellen wir uns in der ersten Ausgabe von WEITERDENKEN: Quo vadis, Freiheit? Unsere Autoren finden hierzu inspirierende Antworten, die zum Weiterdenken anregen sollen.
WEITERDENKEN ist nicht nur der Name unserer Zeitschrift, sondern Programm. Wir wollen Gedanken entwickeln und Fragen stellen. Für uns bedeutet (Weiter-)Denken eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. WEITERDENKEN versteht sich als Plattform des anspruchsvollen Meinungswettstreits. Wenn es uns gelingt, mit jedem Heft neue Denkräume zu öffnen, unbequeme Fragen zu stellen und Antworten zu ermöglichen, dann ist diese Zeitschrift mehr als bedrucktes Papier. Dann ist sie ein Ort spannender geistiger Begegnung. Das wollen wir erreichen. Diese Zeitschrift ist das Ergebnis des Engagements vieler Mitdenker und Mitstreiter. Ihnen danke ich von ganzem Herzen.
Ganz besonders danken möchte ich den Herausgebern Dr. Hans-Peter Klös, Prof. Dr. Rainer Völker, Prof. Dr. Arnd Diringer, Inge Bell, Prof. Dr. Lothar Funk und Dr. h.c. Thomas Sattelberger. Kohlhammer ist und war schon immer ein Verlag, der eine breite Palette von Themen, unterschiedliche Perspektiven und Standpunkte publiziert. Vielfalt auf wissenschaftlichem und fundiertem Niveau ist unser oberstes Anliegen. Wir vermitteln Wissen und möchten zu Diskussionen anregen und den Geist herausfordern. Deshalb bin ich als Verleger besonders stolz auf WEITERDENKEN. Es ist in diesen Zeiten ein Risiko, eine neue Zeitschrift auf den Markt zu bringen. Aber wir stehen an einem kritischen Punkt. Wir brauchen den Mut zum offenen Diskurs und zur Kontroverse. Wir müssen streiten. Wir müssen unsere Freiheit verteidigen und für unsere freiheitliche Gesellschaft einstehen.
Freiheit ist Demokratie und Demokratie ist Freiheit.
Herzliche Grüße
Leopold Freiherr von und zu Weiler
Um die Rationalität scheint es im öffentlichen Diskurs und in der politischen Willensbildung nicht immer gut bestellt zu sein. Verschiedene Prinzipien der Aufklärung sind auf dem Rückzug, wissenschaftliche Erkenntnisse werden negiert oder nicht beachtet, Dogmen finden wieder fundamentalen Eingang in Debatten und manche Meinungen werden tabuisiert. Hier einige Beispiele aus der gesellschaftlichen und politischen Praxis:
Eine kaum durchdachte Energiepolitik, die teilweise auf Wunschdenken basiert; eine Migrationspolitik, die zu lange keiner erkennbaren Rationalität folgte und Problemfelder tabuisierte; Argumentationen auf Basis simpler Dogmen – z. B. in Form von Identitäten – wurden hoffähig; statt möglichst objektiver Informationen werden journalistisch nicht selten eher „Haltungen“ vermittelt; „Cancel Culture“ und der Aufbau von Meldestellen zur Übermittlung von Aussagen „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“ illustrieren die Gefahren für die Meinungsfreiheit; gleiche Sachverhalte – z. B. Straftaten begangen von extremistischen Gruppen (linke, rechte oder religiöse) oder von autokratischen und diktatorischen Regimen – werden nicht nach identischen Maßstäben, sondern nach politischer Gesinnung beurteilt; Erkenntnisse über die Bedeutung von Marktwirtschaft und Leistungsbereitschaft für unseren Wohlstand und für unseren Sozialstaat fanden zu wenig Beachtung – gleichzeitig wuchs die Bürokratie, die Regelungsdichte nahm weiter zu.
Vor diesem Hintergrund möchten wir mit der Zeitschrift WEITERDENKEN eine neue Plattform für offene und vernunftbasierte Diskurse etablieren. Sie soll Denkanstöße geben, kritisch und liberal sein. Wir stehen nicht für Spaltung, sondern für konstruktive Debatten. Es kann und soll von den Autoren gern Position bezogen werden – aber so weit als möglich auf der Grundlage von Fakten, nicht rein oder vorwiegend auf Basis moralischer Vorstellungen, problematischer Dogmen, Läuterungsagenden oder der Negierung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Wir sind überzeugt: In einer offenen Gesellschaft entsteht wirklicher Fortschritt dort, wo Konflikte nicht verdrängt, sondern durchdacht werden. Deshalb verbinden wir in WEITERDENKEN anwendungsorientierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit Erkenntnissen aus Politik, Recht, Geschichte, Psychologie und Soziologie. Interdisziplinär, praxisnah, aber stets evidenzbewusst. Unser Anspruch: Debatten auf Augenhöhe, die klar, lesbar und relevant sind – nicht laut, aber deutlich.
Die erste Ausgabe widmet sich einer Frage, die Kern und Prüfstein unserer Gesellschaft zugleich ist: Quo vadis, Freiheit? In 24 Beiträgen werden Fragen zur Ordnungspolitik, zu Geopolitik und Geoökonomie, Klimapolitik, Identitätspolitik, Integrationspolitik und Rechtspolitik behandelt. Verhaltenspsychologisch wird gezeigt, wie stark wir in unserem Verhalten auch noch evolutiv-stammesgeschichtlich geprägt sind. Zudem wird aus neurowissenschaftlicher und moraltheologischer Perspektive gefragt, wie frei wir als Individuen überhaupt sein können und wie frei wir sein sollen.
Freiheit ist Voraussetzung für Innovation, Verantwortung und demokratisches Miteinander – und doch steht sie unter Druck: durch autoritäre Systeme, durch technologische Dynamiken, durch Unsicherheiten, die Angst schüren. Wir wollen diese Spannungsfelder sichtbar machen, Widersprüche nicht glätten, sondern ausleuchten – und Perspektiven aufzeigen, wie Freiheit im 21. Jahrhundert gestaltet werden kann. Darüber hinaus laden unsere Rubriken dazu ein, weiterzudenken: „Gesellschaft & Politik“, „Wirtschaft & Technologie“, „Innovation & Transformation“, „Recht & Freiheit“, „Making the World a Better Place“ und „Für Sie gelesen“. Unsere nächste Ausgabe im Januar erwartet Sie mit zwei Schwerpunktthemen: Notwendige Wirtschaftsreformen für Deutschland sowie Herausforderungen und Chancen von KI.
WEITERDENKEN ist kein Magazin für flüchtiges Blättern. Es will gelesen, diskutiert, weitergetragen werden. Ein Ort für Debattenkultur und Lösungsorientierung, für klare Positionen und – so weit wie möglich – für kluge Synthesen. Wir laden Sie ein, uns auf diesem Weg zu begleiten – kritisch, neugierig, konstruktiv.
Willkommen bei WEITERDENKEN
Hans-Peter Klös & Rainer Völker